Wenn es darauf ankommt, halten alle zusammen
Im Gespräch mit Felizitas Wieser - Wieso der Bausektor einfach zu ihr passt, welche Herausforderungen der Sektor in Südtirol hat und wie man diesen begegnen kann.
Die Frauen in der Bauwirtschaft stärken, ihnen mehr Sichtbarkeit geben und die Vernetzung fördern: dies sind die zentralen Ziele der Initiative „She Builds“ des Baukollegiums. Auf unserem Blog wollen wir jene Frauen vorstellen, die dieses Netzwerk ausmachen. Den Anfang macht Felizitas Wieser, die von Beginn an Vorsitzende der Initiative ist. Sie ist Präsidentin des Verwaltungsrates von Wieser, das Unternehmen ist auf den Bau von Skipisten, traditionelle Beschneiungstechnik, All-Weather-Snow, Speicherteiche und alpine Erdbewegungs- und Tiefbauarbeiten spezialisiert.
Frau Wieser, würden Sie uns etwas über Ihren persönlichen Werdegang erzählen? Warum haben Sie sich entschieden, den Weg in die Bauwirtschaft einzuschlagen?

“Es ist immer etwas los, es ist fordernd und man muss flexibel sein, aber wenn es darauf ankommt, halten alle zusammen – in der Familie genauso wie im Beruf und auf der Baustelle”, unterstreicht Felizitas Wieser.
Für mich war der Weg in die Bauwirtschaft eigentlich immer klar. Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der alle an einem Strang ziehen, das Unternehmen wurde von meinen Großeltern aufgebaut, und auch meine Eltern haben dort immer gearbeitet. Für uns alle war und ist es mehr als nur ein Job. Dazu kommt, dass ich schon immer eine Leidenschaft für Maschinen und Technik hatte und gerne Verantwortung übernehme und Entscheidungen treffe. Der Bausektor passt einfach zu mir: Es ist immer etwas los, es ist fordernd und man muss flexibel sein, aber wenn es darauf ankommt, halten alle zusammen – in der Familie genauso wie im Beruf und auf der Baustelle. Genau das schätze ich.
Was ist Ihre Rolle im Unternehmen? Welche Aufgaben gefallen Ihnen besonders gut?
Heute bin ich Mehrheitseigentümerin und Geschäftsführerin des Unternehmens. Am meisten Freude bereitet mir, Entscheidungen zu treffen, vor allem strategische. Die eigentliche Herausforderung – und für mich eine schöne – ist es, einen langjährigen Familienbetrieb zu übernehmen und dabei Traditionen und Werte weiterzuleben, ihn aber gleichzeitig mit meinem eigenen Stil zu führen. Besonders am Herzen liegt mir außerdem der Kontakt zu unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern: Wir haben viele langjährige Kolleginnen und Kollegen und sind ein wirklich tolles Team.
Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für den Bausektor in Südtirol? Und welche Lösungsansätze würden Sie vorschlagen?
Die größte Herausforderung ist für mich ganz klar die Bürokratie. Ich sage oft: Das Arbeiten an sich wäre eigentlich einfach, wenn es diese ständig wachsende Bürokratie nicht gäbe – obwohl uns seit Jahren eine Vereinfachung versprochen wird. Ein gutes Beispiel für unsere Arbeit sind die Anträge für Sondertransportgenehmigungen: Unsere Nachbarländer zeigen uns, dass es auch einfacher gehen würde. Das kostet enorm viel Zeit, die wir eigentlich für Wichtigeres investieren könnten, wenn unnötige Verwaltungsaufwände wegfallen würden. Als Lösungsansatz würde ich mir vor allem eine echte Digitalisierung und Vereinheitlichung der Genehmigungsverfahren wünschen – also weniger Doppelgleisigkeiten zwischen den verschiedenen Ämtern und eine zentrale Anlaufstelle statt vieler Einzelschritte.
Und natürlich ist es mir als Vorsitzende von “She Builds” ein besonderes Anliegen, junge Frauen für die Baubranche zu begeistern – und das nicht nur, weil wir dadurch dem Fachkräftemangel entgegenwirken, sondern vor allem auch, weil Frauen in einem männerdominierten Sektor einen wertvollen Beitrag leisten und oft einen anderen Denkansatz haben, Probleme zu lösen, der allen zugutekommt.
Mehr über Felizitas Wieser könnt ihr auch hier finden: https://www.industryisin.bz.it/sich-selbst-nicht-vergessen/