Aziende

Lebensmittel: die Produktion läuft

28 April 2020

Die Lebensmittelgeschäfte sind auch in diesen Wochen immer mit Waren gefüllt. Damit dies so ist, muss im Hintergrund alles perfekt organisiert sein. Wir haben mit Georg Theiner, betrieblicher Geschäftsführer der Fructus Meran, über die Veränderungen in den vergangenen Wochen gesprochen.

Für lebensmittelverarbeitende Betriebe galten schon immer strenge hygienische Vorschriften. Doch die Coronakrise hat auch für diesen Sektor bedeutende Änderungen mit sich gebracht. Die Lebensmittelbranche – ein Sektor, der in den vergangenen Wochen niemals stillgestanden war, um die Versorgung der Bevölkerung zu sichern, trotz nicht immer einfacher Bedingungen, wie uns Georg Theiner von der Fructus Meran im Gespräch erklärt. Das Unternehmen ist in der Produktion und Vermarktung von Tiefkühlobst, Dunstware, frisch geschnittenen Früchten und Fruchtpürees tätig und beschäftigt am Firmensitz in Vilpian rund 150 Mitarbeiter.

Herr Theiner, Anfang März hat sich die Welt verändert. Wie hat sich ihr Unternehmen an die neuen hygienischen Vorgaben angepasst? Was musste geändert werden?

Wir haben die Stundenpläne unserer zwei Hauptlinien – also der beiden zentralen Produktionslinien – um eine halbe Stunde verschoben, damit beim Eingang und beim Umkleiden der Abstand eingehalten werden kann. Wir haben überall Spender für Desinfektionsmittel angebracht, wir haben, wo Mitarbeiter an der Linie stehen – obwohl sie einen Meter Abstand einhalten -Trennungen aus Kunststoff realisiert. In den Aufenthaltsräumen darf sich nur mehr eine begrenzte Anzahl an Mitarbeitern befinden, damit die Abstände eingehalten werden können. Wir desinfizieren alle 4 Stunden Toiletten, Türgriffe, Tastaturen usw. Am Samstag werden alle Umkleideräume, Toiletten, Werkstätten und Büros in der Produktion desinfiziert.
Das Mittagessen bringen wir persönlich den Mitarbeitern. Leider aus Hygienegründen alles in Plastikbehältern und mit Plastikbesteck. Wo es möglich ist, arbeiten Mitarbeiter auch teilweise von zu Hause.
Klar ist für uns, dass die Sicherheit der Mitarbeiter absolut gewährleistet sein muss. Wir haben auch für alle eine Zusatzversicherung abgeschlossen, die im Falle einer Coronavirus-Infektion greift.

Wo liegen bzw. lagen die größten Herausforderungen?

Wir hatten positiv getestete Fälle und das war eine echte Herausforderung, da wir die Krankschreibungen und die Quarantäneverordnungen nicht sofort bekommen haben und nicht genau wussten, was zu tun ist. Dank der Unterstützung des Unternehmerverbandes und von Landesrat Widmann haben wir das dann aber schnell hinbekommen. Dadurch, dass wir einige krankgeschriebene Mitarbeiter und andere in Quarantäne hatten, fehlten uns auch die Arbeitskräfte, weshalb wir zeitweise Linien stilllegen oder den Nachtturnus weglassen mussten.

Hat sich die Nachfrage der Kunden geändert? Was wird besonders stark nachgefragt, was weniger?

Wir arbeiten in zwei verschiedenen Sektoren: Im Abpackbetrieb, wo wir Südtiroler Äpfel für den Verkauf im Supermarkt verpacken und auch außerhalb Europas Kunden bedienen. Dort war die Nachfrage sehr schwankend, aber durchaus sehr gut. Im Verarbeitungsbereich – wir stellen Dunstäpfel in Dosen und Beutel sowie tiefgefrorene Äpfel und Birnen, wie auch Apfel- und Birnenpüree her – war die Nachfrage bis Mitte März sehr gut. Alle wollten die Lager gesteckt voll haben, weil man befürchtet hat, dass die Grenzen zugemacht werden. Jetzt ist besonders das Dosen- und Pouchgeschäft um ca. 60% zurückgegangen, viele unserer Endkunden haben ja auch die Betriebe geschlossen, wie z. B. Mac Donalds, aber auch andere Restaurants, Kantinen, Kaffees usw.. Im Tiefkühl- und Püreebereich sind die Endkunden mehr im Lebensmitteleinzelhandel zu suchen, da haben wir nur einen Einbruch von ca. 20% zu verzeichnen.

Die Grenzen wurden tatsächlich gesperrt, aber nicht für den Warentransport und für die Lebensmittel. Wie funktioniert die Logistik?

Mit der Logistik haben wir eigentlich keine großen Probleme. Es war mal eine kurze Zeit, in der man LKWs für England sehr schwer gefunden hat. Die Fracht war auch wesentlich teurer. Auch für den Nahen Osten waren die Container zeitweise Mangelware, aber das hat sich alles wieder eingespielt.

Wie sehen sie die kommenden Monate?

Peter, Andreas und Thomas Theiner bei der Übergabe der Äpfel an das Krankenhauspersonal.

Wir haben die Rohware schon im Haus, somit müssen wir weiterproduzieren, es ist auch alles schon verkauft, aber natürlich werden unsere Kunden für die neue Ernte weniger Ware disponieren, wir werden sozusagen die Corona Krise etwas verspätet spüren. Aber spüren werden wir sie doch: wir rechnen, dass uns in der nächsten Saison 2 Monate fehlen werden, und natürlich müssen wir alles, was wir jetzt produzieren und verspätet ausliefern werden, vorfinanzieren. Aber im Verhältnis zu anderen Sektoren geht es uns wahrscheinlich doch noch relativ gut. Deshalb wollten wir kürzlich auch ein Zeichen setzen und haben uns vor Ostern beim ganzen Personal des Krankenhauses Bozen mit einem kleinen Obstpaket für den unermüdlichen Einsatz bedankt.