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„Es ist die perfekte Welle“

9 April 2026

Wie das Südtiroler Unternehmen Holzner & Bertagnolli Engineering in Mailand ingenieurtechnische Pionierarbeit leistet.

CityWave Folge 1 – In Mailand entsteht derzeit ein innovatives Wahrzeichen hoher Ingenieurkunst. Neben den drei markanten Türmen der Stararchitekten Arata Isozaki, Zaha Hadid und Daniel Libeskind im neuen Stadtviertel CityLife, wird gerade – als krönender Abschluss – CityWave fertiggestellt. Ein spektakuläres Bauwerk mit dem größten schwebenden, wellenförmigen Dach der Welt. Entworfen vom renommierten dänischen Architekturstudio BIG (Bjarke Ingels Group) und ingenieurtechnisch umgesetzt vom Südtiroler Unternehmen Holzner & Bertagnolli Engineering aus Lana. Wir haben mit Ing. Claudio Bertagnolli, Managing Director und einer der vier Gesellschafter von HB, über das Projekt gesprochen.

CityLife Mailand

CityWave – was macht dieses Projekt so außergewöhnlich?

Es ist ein Prestigeprojekt, das die Grenzen des Machbaren ausdehnt. Zwei Gebäude unterschiedlicher Größe, 55 und 105 Meter hoch, sind durch ein gigantisches Hängedach mit 135 Metern Spannweite verbunden – ein Dach dieser Art und Dimension existiert weltweit noch nicht. Hier wurde eine Vision Wirklichkeit, die Architektur und Ingenieurwesen, Ästhetik und Nachhaltigkeit vereint.

Claudio Bertagnolli, Managing Director und einer der vier Gesellschafter von Holzner & Bertagnolli Engineering

Das klingt nach ingenieurtechnischer Pionierleistung…

Absolut. Mit dem Canopy, wie das Dach genannt wird, haben wir die traditionellen Grenzen des Ingenieurwesens überschritten. Es handelt sich um eine Hybrid-Struktur: eine 400mm starke orthotrope Holzplatte, die eine Reihe von Stahlkabeln umschließt, die an beiden Gebäuden verankert sind. Das Dach hat eine Gesamtfläche von 4.500 m², darauf befindet sich auch Italiens größter Solarpark auf einem Gebäude. Die Zugkräfte, die auf beide Bauwerke wirken, betragen jeweils unglaubliche 2.400 Tonnen.

 

Canopy – 135 Meter Spannweite

Welche Herausforderungen gab es dabei?

Die Verbindung zwischen orthotroper Holz-Platte und Spanngliedern ist – in dieser Art und Weise und Dimension nach unserem Wissen – noch nicht umgesetzt worden. Durch die vielen Tests, die an der Uni Trient, bei Windkanalsimulationen in Kanada, Indien und Mailand durchgeführt worden sind, der Einsatz von hochmodernen ECD- Dämpfern und unzählige Berechnungen und Analysen unterschiedlicher Spezialisten, haben gezeigt, dass man im Ingenieurwesen durchaus neue Wege gehen kann.

Oft klaffen die Vorstellungen von Architekten und Ingenieuren auseinander, oder?

Ja, wenn Architekten ausgefallene Ideen haben, sind die Ingenieure gefordert. In diesem Fall war das Motto ‚Think Big‘. Wir sind stolz, dass wir die Visionen des Architekten umsetzen konnten – bei gleichzeitigem Fokus auf Wirtschaftlichkeit, Sicherheit und Realisierbarkeit.

Wie kam es zu diesem Auftrag?

Die Zusammenarbeit mit Citylife begann bereits 2010 mit dem ersten Auftrag zur statischen Planung der Untergeschosse des ersten Towers, die sich stetig – bis zur Planung des gesamten Tragwerks rund und unter den drei Hochhäusern „Tre Torri“ – ausgedehnt hat. 2020 wurden wir eingeladen, ein Angebot für den letzten Baustein, CityWave, zu unterbreiten. Wir haben uns als Bietergemeinschaft, gemeinsam mit Büros aus Verona und Mailand, beteiligt und den Zuschlag erhalten. Von 2020 bis 2022 führten wir die gesamte Tragwerksplanung und von 2022 bis 2023 die Bauleitung der Aushub- und Spezialtiefbauarbeiten aus. 2023 kam der Auftrag vom Generalunternehmen für die Werkplanung des gesamten Tragwerkes dazu.

Wie wichtig ist Innovation in Eurem Unternehmen?

Innovation ist für uns zentral. Seit unserer Gründung 1994 haben wir Technologien wie Vorspannung, 3D-Planung und BIM frühzeitig eingeführt. Wir arbeiten ständig am Puls der Zeit – sowohl in Bezug auf die Software als auch in Bezug auf die Materialien. Kreatives Querdenken – in der eher wenig innovativen Baubranche – zeichnet uns aus, und all unsere Erfahrung der letzten Jahrzehnte kommt in diesem Projekt CityWave zum Tragen.

Also ist mit CityWave die perfekte Welle gelungen?

Ja, es ist die perfekte Welle. Für uns ein Leuchtturmprojekt. Eine einmalige bauliche Herausforderung, die Forschung, Technologie, Eleganz und strukturelle Komplexität vereint. Die Baukosten liegen bei rund 300 Millionen Euro. Es ist auch für uns ein wirklich großes Projekt – und wir haben bereits spannende Folge-Aufträge in der Pipeline.

CityWave – heuer wird fertiggestellt

Wann wird eröffnet und was wird CityWave beherbergen?

Heuer wird das Gebäude fertiggestellt. Die ersten Mieter werden im kommenden Jahr einziehen. Vorwiegend als Bürogebäude konzipiert, beherbergt es im obersten Stockwerk eine Bar und ein Panorama-Restaurant. Außerdem gibt es ein Auditorium, Parkflächen und öffentliche Grünbereiche. Bauherr ist Generali Citylife Spa, die meisten Büros hat Nexi gemietet. Hier in diesem neuen Viertel im Westen der Stadt verschmelzen Wohnen, Arbeiten, Einkaufen und Freizeit. Mit CityWave bekommt die urbane Transformation Mailands mit Sicherheit ein neues architektonisches Meisterstück.

 

Unternehmen:

Holzner & Bertagnolli Engineering GmbH

Mitarbeiter: 85

Sitze: Lana, Mailand, München, Modena, Trient, Gioia Tauro, Lahr bei Freiburg

Gesellschafter: Oswald Holzner, Claudio Bertagnolli, Hannes Huber und Marco Righi