„Die Bank der Zukunft wird zunehmend zu einem Ort der Begegnung und der Beratung werden“
Die zunehmende Digitalisierung wirkt sich auch auf die Bankenwelt und die klassische Bankfiliale aus. Dreika AG aus Bozen sieht diesen Wandel als Chance. Seit 1978 begleitet das Unternehmen seine Bankkunden im Genossenschaftssektor mit ganzheitlichen Konzepten - von der Planung bis zur Realisierung von Bankprojekten. Im Gespräch erklärt Daniel Seppi, CEO des Unternehmens und Präsident des Verwaltungsrates, wie die Bank der Zukunft aussehen könnte, welche Rolle Nachhaltigkeit und Technologie spielen und warum am Ende immer der Mensch im Mittelpunkt steht.
Die Bankenwelt verändert sich: Viele Bankgeschäfte lassen sich heute online erledigen. Wie wirkt sich diese Entwicklung auf die Konzeption moderner Bankfilialen und die Arbeit Ihres Unternehmens aus?

Daniel Seppi, CEO Dreika AG ©Dreika BankArchitecture
Daniel Seppi: Die Bedürfnisse der Menschen verändern sich – und damit auch die Anforderungen an Banken und ihre Räumlichkeiten. Die Dreika AG verfolgt seit Langem einen ganzheitlichen Ansatz: Wir begleiten unsere Kunden bei Umbauten, Sanierungen und Neubauten – von der ersten Idee über die Planung und technische Umsetzung bis hin zur schlüsselfertigen Übergabe.
Dabei ist es uns wichtig, dass wir auch den Ansprüchen, die sich verändern, Rechnung tragen. Gute Architektur und gutes Design allein genügen nicht. Entscheidend ist ein durchdachtes, modernes Gesamtkonzept, das sowohl den aktuellen betrieblichen Anforderungen der Bank und ihrer Mitarbeitenden als auch den sich wandelnden Bedürfnissen ihrer Kund:innen längerfristig gerecht wird.
Wie schaut die Bank der Zukunft also aus?

Cassa Rurale Vallagarina © Dreika BankArchitecture
Daniel Seppi: Die Bank der Zukunft wird zunehmend zu einem Ort der Begegnung und der Beratung werden. Verschiedene Beratungsangebote, etwa in den Bereichen Versicherungen, Finanzierung oder Vermögensberatung, sind bereits heute häufig unter einem Dach vereint. Gleichzeitig kann die Bank aber auch neue Funktionen zum Beispiel für das gesellschaftliche Leben integrieren.
Im In- und Ausland betreuen wir größere Bauvorhaben, wo Bankräumlichkeiten beispielsweise mit Wohnungen, Gastronomie, Geschäften, Arztpraxen oder gemeinschaftlich genutzten Bereichen verbunden sind. Es wird versucht Synergien zu nutzen. So wird aus einer Bank ein lebendiges Zentrum, das über die eigentliche Finanzdienstleistung hinaus einen Mehrwert für die Umgebung schafft.
Wie muss eine Bank konzipiert sein, damit sie einladend wirkt und gleichzeitig im Alltag reibungslos funktioniert?
Daniel Seppi: Eine Bank muss in erster Linie operativ gut funktionieren. Die Arbeitsabläufe müssen stimmen, die Räume sinnvoll angeordnet und die technischen Voraussetzungen gegeben sein. In unserem Team arbeiten auch ehemalige Bankmitarbeiter:innen, die die internen Prozesse und Anforderungen aus eigener Erfahrung kennen. Dieses Wissen ist bei der Planung besonders wertvoll.

VR Bayern Mitte © Dreika BankArchitecture
Gleichzeitig müssen sich die Mitarbeiter:innen in ihrer Arbeitsumgebung wohlfühlen. Sie brauchen Raum für Zusammenarbeit und persönliche Entwicklung. Auch die Kundenperspektive ist entscheidend: Gerade im Bankgeschäft spielt Diskretion eine große Rolle – in einem Dorf noch mehr als in einer anonymen Großstadt. Hier geht es um Beziehungen und Vertrauen, dem wir versuchen in der Konzeption gerecht zu werden.
Banken vermitteln heute fast schon Wohnzimmer-Atmosphäre. Ganz bewusst?
Daniel Seppi: Genau, eine Bank hat heute teilweise schon den Charakter eines Wohnzimmers oder Hotels: Man kommt an, fühlt sich willkommen und kann sich in Ruhe mit seinem Berater austauschen – auch bei einer Tasse Kaffee. Die Räumlichkeiten sollen die persönliche Beratung unterstützen und Vertrauen schaffen. Die Technologie ist sinnvoll in das Gesamtkonzept integriert.

Die Räumlichkeiten sollen die persönliche Beratung unterstützen und Vertrauen schaffen. ©Dreika BankArchitecture
Gibt es auch bei der Gestaltung von Banken Trends?
Daniel Seppi: Ein wichtiger Trend ist die Entwicklung hin zu offeneren Arbeitsbereichen. Dadurch wird der Austausch zwischen den Mitarbeiter:innen erleichtert. Meistens gibt es flexibel nutzbare Empfangsbereiche. Gleichzeitig braucht es weiterhin Rückzugsmöglichkeiten, in denen vertrauliche Gespräche stattfinden können. Wir gestalten diese Räume bewusst unterschiedlich, damit sie jeweils eine eigene Atmosphäre schaffen. Das Corporate Design der jeweiligen Bank wird dabei selbstverständlich berücksichtigt.
Wird der Kunde künftig überhaupt noch in die Bank gehen, wenn sich immer mehr Geschäfte digital erledigen lassen?

Raiffeisenbank Oberland – Reutte © Dreika BankArchitecture
Daniel Seppi: Davon bin ich überzeugt. Die Bank wird es weiterhin geben, aber ihre Funktion wird sich verändern. Wir müssen damit rechnen, dass bestimmte Tätigkeiten wie Bargeldbehebungen oder Überweisungen am Schalter weiter zurückgehen. Die beratende Funktion hingegen wird bestehen bleiben.
Gerade bei größeren finanziellen Entscheidungen möchten Menschen einen persönlichen Ansprechpartner haben. Es geht um Fragen, die oft weitreichende Auswirkungen auf das eigene Leben oder das Unternehmen haben. Hier ist ein persönliches Gespräch weiterhin wichtig. Wir müssen in Zukunft aber vielschichtiger denken und auch innovative Ansätze zulassen. Möglicherweise wird der Bankberater künftig auch verstärkt Kundenbesuche abwickeln.
Welche Rolle spielt die Nachhaltigkeit bei der Planung und Umsetzung der Projekte?

Cassa Rurale Vallagerina © Dreika BankArchitecture
Daniel Seppi: Nachhaltigkeit beginnt bei uns bereits bei der Frage, wie ein Projekt organisiert wird. Wir arbeiten möglichst mit regionalen Unternehmen zusammen – nach Möglichkeit mit Betrieben, die Kunden der jeweiligen Bank sind. So bleibt ein wesentlicher Teil der Wertschöpfung vor Ort. Gerade für genossenschaftlich organisierte Banken ist das auch aus ihrer gesellschaftlichen Verantwortung heraus ein wichtiger Aspekt.
Für uns bedeutet diese Arbeitsweise gleichzeitig eine Herausforderung: Wir arbeiten bei jedem Projekt mit unterschiedlichen Unternehmen zusammen, die koordiniert werden müssen. Das erfordert Erfahrung, gute Organisation und klare Abläufe.
Auch bei der Materialauswahl spielt Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle. Wir möchten, dass sich die jeweilige Region in der Gestaltung widerspiegelt. In den Alpenländern sind Holz und natürliche Stoffe häufig prägende Elemente. In Süditalien kommen beispielsweise andere Materialien wie Stein und helle Oberflächen stärker zum Einsatz. In urbanen Räumen können wiederum industrielle Gestaltungselemente oder Tapeten passend sein.
Wie gelingt es, komplexe Bauvorhaben möglichst reibungslos umzusetzen?
Daniel Seppi: Unser Anspruch ist es, für die Bank ein verlässlicher Ansprechpartner zu sein, der die verschiedenen Aufgaben koordiniert und die Verantwortung für das Gesamtprojekt übernimmt. Ebenso wichtig sind uns die Kostentransparenz und die Terminsicherheit. Der Schlüssel liegt in einer klaren Struktur, einer sorgfältigen Vorbereitung und einer engen Abstimmung mit dem Kunden. Wir präsentieren erste Grundrisse und Visualisierungen, damit sich der Kunde das spätere Ergebnis möglichst konkret vorstellen kann.

Raiffeisenbank Oberland – Reutte © Dreika BankArchitecture
Unsere Projektleiter fungieren als zentrale Schnittstelle zwischen den Kunden und unseren internen Teams. Wir übernehmen die Planung, die technische Ausarbeitung, Genehmigungen, Kalkulation, Einkauf und Bauleitung. Auch die Organisation von Übersiedlungen oder Rücksiedlungen kann manchmal dazugehören. Je besser diese einzelnen Schritte ineinandergreifen, desto reibungsloser lässt sich ein Projekt umsetzen – und das ist auch die Stärke unseres ganzheitlichen Ansatzes.
Wo sehen Sie künftig noch Wachstumspotenzial?

VR Bayern Mitte © Dreika BankArchitecture
Daniel Seppi: Historisch sind wir in Italien verwurzelt. Seit 2011 sind wir in ganz Österreich tätig und seit 2014 auch in Deutschland, insbesondere im süddeutschen Raum, in Bayern und Baden-Württemberg. Dreika AG hat sich damit über die Jahre in mehreren Märkten etabliert. Unser Ziel ist allerdings nicht in erster Linie quantitatives Wachstum.
Uns geht es vor allem darum, die Qualität unserer Projekte und unserer Dienstleistungen weiterzuentwickeln. Wir haben uns über all die Jahrzehnte einen hohen Standard erarbeitet. Trotzdem gibt es immer Möglichkeiten, Abläufe zu verbessern und effizienter zu gestalten. Wir wollen unseren Kunden den bestmöglichen Service bieten.
Wie kann künstliche Intelligenz Ihre Arbeit erleichtern?
Daniel Seppi: Wir beschäftigen uns damit, wie wir künstliche Intelligenz in unsere Planungs- und Projektprozesse integrieren können. Es gibt mittlerweile zahlreiche Anwendungen. Die Herausforderung besteht darin, diejenigen zu finden, die für unsere Arbeit tatsächlich einen Mehrwert bieten und sich sinnvoll in bestehende Abläufe einfügen. Besonders interessant sind für uns die Möglichkeiten bei Visualisierungen, der Datenverarbeitung und der Optimierung von Arbeitsprozessen.
Trotzdem bin ich überzeugt, dass der Mensch im Mittelpunkt bleiben wird. Gerade bei der Planung von Bauprojekten geht es nicht allein um technische Daten oder funktionale Lösungen. Es geht vor allem auch darum, die Menschen und ihre Bedürfnisse zu verstehen – und schließlich geht es um Emotionen. Dafür braucht es Erfahrung, Kreativität und eine gute Kommunikation.

„Die Stärke des Teams ist jedes einzelne Mitglied. Die Stärke jedes Mitglieds ist das Team.“ © Dreika BankArchitecture
Sie sind seit 2007 bei der Dreika AG beschäftigt und seit vielen Jahren in der Führungsposition tätig. Was bedeutet Führung für Sie?
Daniel Seppi: Ein Zitat des legendären US-Basketballtrainers Phil Jackson bringt meine und unsere Haltung bei Dreika AG gut auf den Punkt: „Die Stärke des Teams ist jedes einzelne Mitglied. Die Stärke jedes Mitglieds ist das Team.“ Genau diese Einstellung prägt unsere Unternehmenskultur. Wir beschäftigen heute 57 Mitarbeiter:innen aus neun Nationen. Wir können auf verschiedenste Kompetenzen, Erfahrungen und Perspektiven zählen. Diese Vielfalt ist eine Bereicherung, verlangt aber auch Offenheit.
Ich bin überzeugt, letztlich sind es die Menschen, die ein Projekt und ein Unternehmen erfolgreich machen. Daher versuchen wir stets unsere Zusammenarbeit zu stärken und ein Umfeld zu schaffen, in dem Menschen gerne arbeiten und sich einbringen.