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Die Industriestrategie Österreichs als Vorbild für Südtirol

11 Febbraio 2026

Österreich setzt auf eine klare Industriestrategie. Auch Südtirol brauche ein solch strategisches Dokument, meint Alexander Rieper, Präsident des Unternehmerverbandes.

Anlässlich der Olympischen Winterspiele besuchte Österreichs Bundesminister für Wirtschaft, Energie und Tourismus Wolfgang Hattmannsdorfer das Mitgliedsunternehmen Markas in Bozen und tauschte sich dort mit führenden Vertreter:innen aus Politik und Wirtschaft aus. Im Mittelpunkt stand die neue „Industriestrategie Österreich 2035“. Ein solch strategisches Dokument, in dem man sich zu einem starken Produktionsstandort bekennt, könnte laut Unternehmerverbandspräsident Alexander Rieper auch Südtirol brauchen.

Langfristige Vision: Industrie als Schlüssel

Mit der neuen Industriestrategie verfolgt die österreichische Bundesregierung eine langfristige Vision, um nach Jahren der Rezession und schwachem Wachstum wieder an Wettbewerbsfähigkeit zu gewinnen. Die Industrie wird dabei als zentraler Schlüssel für Wertschöpfung und Wohlstand, für Beschäftigung sowie eine sozial gerechte und ökologische Transformation gesehen.

Ziel: Bis 2035 unter die Top-10-Industrieländer der Welt

Die Industriestrategie Österreichs umfasst interessante Ansätze, auch für Südtirol. Bild: Forschung Austria

Bis 2035 soll Österreich zu den zehn wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften der Welt gehören. Der Wertschöpfungsanteil der Industrie, gemessen an der gesamten Wirtschaftsleistung, soll von 16,9% (2024) auf 20% gesteigert werden. Neben der Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit geht es auch darum, die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit in und mit Europa weiterzuentwickeln. Ziel ist es außerdem, Innovation und Leistungsfähigkeit weiter auszubauen, die Wirtschaft widerstandsfähiger zu machen, nachhaltige und kreislauforientierte Produktion zu fördern und ausreichend Fachkräfte für die Zukunft zu sichern.

Schlüsseltechnologien definiert, 2,6 Mrd. Euro bereitgestellt

Dafür wurden neun Schlüsseltechnologien und Stärkefelder definiert, ein konkreter Maßnahmenplan ausgearbeitet und entsprechende finanzielle Mittel (bis Ende der Legislaturperiode 2029 2,6 Milliarden Euro) bereitgestellt. Demnach werden gezielt jene Bereiche gefördert, in denen Österreich bereits zur Weltspitze zählt oder das Potenzial dazu hat: u.a. Künstliche Intelligenz, Chips, Robotik, Quantentechnologie, Fortgeschrittene Werkstoffe, Energie-, Umwelt-, Mobilitäts- und Weltraumtechnologien.

Industriestrompreis wird eingeführt

Die Strategie zielt auch darauf ab, wettbewerbsfähige Energiepreise sicherzustellen und ein zukunftsfähiges Energiesystem aufzubauen. Dafür wird unter anderem ab 2027 ein Industriestrompreis eingeführt und jährlich mit 250 Millionen Euro unterstützt, um faire Wettbewerbsbedingungen insbesondere für energieintensive Branchen zu gewährleisten. Gleichzeitig wird der Ausbau erneuerbarer Energien, die Netzinfrastruktur, Speicherkapazitäten sowie neue Erzeugungstechnologien vorangetrieben.

Förderung der Innovationsausgaben

Österreich sieht sich als Industrieland mit langer Forschungstradition. Nun sollen insbesondere Industrieunternehmen durch eine direkte und indirekte Forschungsförderung zu mehr Forschung & Entwicklung motiviert werden, um das 4%-Ziel im Bereich der gesamtösterreichischen F&E-Quote – wie im Regierungsprogramm verankert – auch zu erreichen. Ganz bewusst wird auch in Fachkräfte investiert. Der Anteil der MINT-Graduierten soll bis 2035 um 20% gesteigert werden. Auch die Möglichkeiten zur Anwerbung internationaler Fachkräfte wird erweitert.

Entbürokratisierungs-Offensive

Gleichzeitig liegt ein Fokus auf Entbürokratisierung, der Stärkung der digitalen Souveränität und der Sicherstellung strategischer Rohstoffe. Investitionsprogramme im Bereich der Schiene und der Straße werden ambitioniert fortgeführt. Zudem wird ein patriotisches Vergaberecht und eine Förderpolitik nach dem Leitprinzip „Made in Europe & Partner Countries“ verfolgt.

Umsetzung der Industriestategie bereits begonnen

Die Umsetzung der österreichischen Industriestrategie hat bereits begonnen, wobei für die Industriestrategie 2035 ein Monitoring auf Basis ausgewählter Leistungskennzahlen erfolgt. Die Strategie wurde in einem breiten, partizipativen Stakeholder-Prozess unter der Leitung der Plattform Industrie 4.0 entwickelt, an dem über 200 Organisationen beteiligt waren.

Rieper: „Auch in Südtirol Industriestrategie entwickeln“

Der Präsident des Unternehmerverbandes Südtirol, Alexander Rieper, würdigte die Klarheit und Zielgerichtetheit der österreichischen Industriestrategie. Auch Südtirol brauche ein solch strategisches Dokument, das die Bedeutung der Industrie unterstreicht. Der Unternehmerverband hatte seine Vorschläge bereits eingebracht in der Agenda Südtirol 2025-2029. Südtirol sei auch ein starker Industrie- und Innovationsstandort – was sich nicht zuletzt an den zahlreichen Aufträgen im Zuge der Olympischen Winterspiele zeige.