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Spezialisiert und weltweit führend: Wie ein Südtiroler Kleinunternehmen international Maßstäbe setzt

24 Agosto 2026

Seit über 40 Jahren entwickelt Barbieri electronics aus Brixen innovative Lösungen für die Farbmessung und zählt heute zu den Technologieführern für intelligente Farbmesssysteme im professionellen Digitaldruck.

Nun stellt das familiengeführte Unternehmen die Weichen für die Zukunft: Viktor Lazzeri übernimmt zusätzlich zu seiner Funktion als COO die Rolle des Co-Managing Director an der Seite von Stefan und Markus Barbieri. Im Interview spricht der 40-jährige Brixner über die neuen strategischen Ziele, internationale Märkte, technologische Entwicklungen und die Herausforderungen der Zukunft.

Führungsteam: Markus und Stefan Barbieri, Viktor Lazzeri

Herr Lazzeri, wie lange sind Sie bereits bei Barbieri electronics und welchen beruflichen Hintergrund haben Sie?

Im September werden es genau 15 Jahre. Zuvor habe ich Logistik- und Produktionsingenieurswesen am Politecnico di Torino studiert, später noch einen Master an der Rome Business School absolviert. Zu Beginn bekam ich hier im Unternehmen die Aufgabe, unsere Einkaufsabteilung aufzubauen. Danach durfte ich viele weitere Bereiche kennenlernen – von der Produktionsleitung über Supply Chain Management, Verkaufsleitung bis hin zum Business Development. Dadurch konnte ich das Unternehmen aus unterschiedlichsten Perspektiven kennenlernen und gleichzeitig bekam ich die Möglichkeit viel zu reisen und die Welt und unsere Kunden zu verstehen.

Viktor Lazzeri, COO und Co-Managing Director

Was macht Barbieri electronics – einfach erklärt?

Wir entwickeln und produzieren Spektralphotometer für die Farbmessung im professionellen Digitaldruck. Unsere Kunden möchten sicherstellen, dass Farben überall exakt gleich aussehen. Unsere Messtechnik hilft dabei, Druckprozesse zu kalibrieren und die Farbqualität zuverlässig zu kontrollieren. Unsere Kompetenz liegt dort, wo Farbmessung anspruchsvoll wird. Unterschiedliche Materialien, Oberflächen und Anwendungen erfordern spezialisierte Messtechnik und genau darin liegt seit Jahrzehnten unsere Stärke. Ein einfaches Beispiel: Die Pasta-Schachtel im Supermarktregal soll immer gleich aussehen – oder ein gedrucktes Plakat einer Modekampagne ebenso, egal, ob in Tokio, Mailand oder New York. Genau dafür braucht es eben auch die richtige Farbmesstechnik.

Wer sind Ihre Kunden?

Unsere Kunden kommen aus ganz unterschiedlichen Bereichen des professionellen Digitaldrucks, vom Werbedruck über Textil und industriellen Druck bis zu Dekor und Interior. Zu unseren wichtigsten Kunden zählen hoch spezialisierte Druckereien und internationale Druckdienstleister, aber auch führende Hersteller von Digitaldrucksystemen, sogenannte OEMs, wie beispielsweise Durst oder HP. Sie integrieren unsere Farbmesslösungen in ihre Prozesse und Technologien. Wir bewegen uns damit in einem sehr spezialisierten internationalen Nischenmarkt. Gerade dort, wo Materialien, Oberflächen oder Druckanwendungen besondere Anforderungen an die Farbmessung stellen, ist unsere Kompetenz gefragt. In diesem Bereich zählen wir weltweit zu den Technologieführern.

Nun wurde die Führungsstruktur erweitert, welche strategischen Ziele verfolgt das Unternehmen?

Als spezialisierter Technologieführer geht es uns nicht um Wachstum um jeden Preis. Wir wollen gezielt neue Anwendungen, Märkte und Kunden erschließen und gleichzeitig unsere internationale Präsenz ausbauen. Die enge Zusammenarbeit mit unseren Partnern hilft uns dabei, unsere Technologie kontinuierlich weiterzuentwickeln und früh auf neue Anforderungen des Marktes zu reagieren.

Barbieri electronics entwickelt und produziert Spektralphotometer für die Farbmessung im professionellen Digitaldruck

Welche Herausforderungen sehen Sie für die Zukunft?

Wir müssen uns ständig fragen, wie sich unsere Branche entwickelt. Arbeiten unsere Kunden in fünf Jahren noch genauso wie heute? Wenn nicht, was heißt das für uns? Und umgekehrt, welche Kompetenzen brauchen wir hier intern, um den Anforderungen auch in Zukunft gerecht werden zu können? Welche Herausforderungen haben unsere Kunden? Wer erfolgreich bleiben will, muss sich ständig hinterfragen und bereit sein, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz in Ihrem Bereich?

Künstliche Intelligenz wird sich künftig ganz konkret in unseren Produkten niederschlagen. Wir sehen darin die Chance, intelligente Farbmesssysteme zu entwickeln, die unsere Kunden noch besser bei komplexen Prozessen unterstützen. Das Potenzial dafür ist aus unserer Sicht sehr groß. Deshalb sind wir Mitgründer von CoVision Lab*. Als kleines Unternehmen können wir Know how so gemeinsam mit Partnerunternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen schneller aufbauen und neue Erkenntnisse in industrielle Anwendungen übertragen. Wir arbeiten bereits an konkreten Lösungen und haben in diesem Zusammenhang auch ein Patent für ein neues Produkt angemeldet. Gerade als Hersteller von Farbsensorik sehen wir große Potenziale in der Verbindung von präzisen Messdaten, intelligenter Auswertung und Automatisierung. Daraus können völlig neue Anwendungen entstehen und genau darin sehen wir einen wichtigen Teil unserer zukünftigen Produktentwicklung.

Was bedeutet dieser Entwicklungsschritt für das Unternehmen und für Sie persönlich?

Die Erweiterung der Geschäftsführung ist kein Bruch, sondern eine bewusste Verstärkung des bestehenden Führungsteams, um Barbieri langfristig technologisch und international weiterzuentwickeln. Wir möchten nach innen und außen ein klares Signal senden: Barbieri electronics entwickelt sich weiter und blickt nach vorne. Ich freue mich sehr über das Vertrauen und sehe die neue Aufgabe als große Chance, meine Erfahrung und neue Ideen einzubringen. Gleichzeitig ist es ein positives Signal für unsere Mitarbeitenden und unsere Partner. Wir sind am Ball und unser Blick ist sehr stark in die Zukunft gerichtet.

Mit elf Mitarbeitenden sind Sie ein kleines Unternehmen. Ist das ein Vorteil?

Die Zahl der Mitarbeitenden sagt heute nur noch wenig über die Leistungsfähigkeit oder Bedeutung eines Unternehmens aus. Gerade in einer High Tech Branche kommt es vielmehr auf Know how, Innovationskraft, Geschwindigkeit und die richtigen Partnerschaften an. Wir konzentrieren uns auf das, was für unsere Kunden wirklich Mehrwert schafft, und arbeiten dort, wo es sinnvoll ist, gezielt mit spezialisierten Partnerunternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen zusammen. So können wir sehr flexibel agieren, auf hohem technologischem Niveau entwickeln und gleichzeitig schnell auf neue Anforderungen des Marktes reagieren. Diese Verbindung aus eigener technologischer Kompetenz, einem starken internationalen Netzwerk und hoher Agilität ist für uns ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.

Was begeistert Sie persönlich an Barbieri electronics?

Mich fasziniert, dass wir es als kleines Unternehmen geschafft haben, uns weltweit einen Namen zu machen. Es ist ein schönes Gefühl, wenn Kunden in China oder den USA unsere Arbeit schätzen und uns Anerkennung zollen. Für mich persönlich ist es eine große Motivation, im Grunde ein Lebensziel, gemeinsam mit dem Unternehmen weiter zu wachsen. Barbieri electronics blickt auf über 40 erfolgreiche Jahre zurück – jetzt geht es darum, gemeinsam die nächsten 40 Jahre zu gestalten.

*Covision Lab: Das Covision Lab ist ein auf Computer Vision und Künstliche Intelligenz ausgerichtetes Forschungs- und Anwendungszentrum mit Sitz in Brixen. Sieben multinationale Technologieunternehmen haben das Covision Lab 2019 gegründet, mit dem Ziel, eine Brücke zwischen Forschung und industrieller Praxis zu schlagen.