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„Die Energiefrage entscheidet über unsere Wettbewerbsfähigkeit“

3 Giugno 2026

Verlässliche, bezahlbare und wettbewerbsfähige Energie ist für Südtirols Industrie-Unternehmen von zentraler Bedeutung.

Trotz großer Fortschritte bei der Energieeffizienz belasten hohe Energiekosten und geopolitische Unsicherheiten die Betriebe. Bei der Vollversammlung des Unternehmerverbandes Südtirol sprachen Bea Eccel (CEO Lavarent GmbH), Arianna Giudiceandrea (Chief Sales Officer & Member of the Board MICROTEC AG) und Thomas Brandstätter (CEO Hans Zipperle AG) mit Moderatorin Verena Pliger darüber, wie sie diesen Herausforderungen begegnen und ihre Unternehmen für die Energiezukunft aufstellen. Die Energiefrage entscheidet über ihre Wettbewerbsfähigkeit, darüber waren sich die Unternehmer:innen einig.

Vollversammlung 2026 – Podiumsdiskussion – “Energie freisetzen. Zukunft sichern. Für Südtirol, Europa und eine leistungsstarke Industrie”

Thomas Brandstätter, Sie sind Geschäftsführer der Hans Zipperle AG in Meran, ein Unternehmen, das zu den führenden Fruchtverarbeitern des Landes zählt und jährlich rund 160 Millionen Kilogramm Frucht verarbeitet – entsprechend energieintensiv ist Ihr Lebensmittel-Unternehmen. Wie sehr beunruhigt Sie die aktuelle Weltlage?

THOMAS BRANDSTÄTTER: Die Lage mit den beiden Kriegen in der Ukraine und im Iran beunruhigt mich sehr, die Kostensteigerung in Bezug auf die Energie etwas weniger, da wir einen Teil über die Einkaufsgruppe Energie im Unternehmerverband Südtirol, durch die Zusammenarbeit mit Alperia, preislich fixiert haben und den Rest aufgrund von großen Investitionen durch erneuerbare Energien abdecken, welche deutlich geringer gestiegen sind. Grundsätzlich denke ich, dass sich Europa nur durch den Ausbau der erneuerbaren Energien und durch Speicherung vom Ausland unabhängig machen kann, da Europa über keine nennenswerten Energievorkommen (Öl, Gas, Nuklear) verfügt.

Thomas Brandstätter, CEO Hans Zipperle AG

Wie lange kann Ihr Unternehmen steigende Kosten abfedern, bevor die Preise weitergegeben werden müssen?

THOMAS BRANDSTÄTTER: Wenn es sich abzeichnet, dass dies ein Dauerzustand ist, müsste nach gut einem Monat reagiert werden und die Preise müssten erhöht werden. Nur ist dies teilweise schwierig, da es sowohl mit dem Handel als auch mit den B2B-Kunden meistens Jahreskontakte gibt.

Bea Eccel, Sie führen im Sarntal einen Wäschereibetrieb, der täglich bis zu 52 Tonnen Wäsche bewegt – für mehr als 400 Hotels und Restaurants von Brenner bis Verona. Wie sehr schlagen bei Ihnen die Energiekosten zu Buche und wie gelingt es, diesen enormen Energiebedarf zu managen?

BEA ECCEL: Normalerweise liegen die Kosten für Energie bei uns im Betrieb bei ca. 20 Prozent der Gesamtkosten, den größten Teil machen die Personalkosten aus. Allerdings sind wir stark von der Preisfluktuation von Flüssigmethangas abhängig, deshalb kann es passieren, dass der Prozentsatz, wie im Jahr 2022, auch mal auf 50 Prozent ansteigt.

Wir haben vor knapp 15 Jahren auf Flüssigmethangas umgestellt, da es im Sarntal keine Gasleitung gibt und es unser Ziel war, so gut es geht, autonom zu werden. Mithilfe eines Blockheizkraftwerks und der damit verbundenen Stromproduktion ist uns dies zum Großteil auch gelungen. Unsere zuletzt installierte Photovoltaikanlage deckt noch den Rest, um komplett netzunabhängig zu sein.

Bea Eccel, CEO Lavarent GmbH

Sie investieren laufend in neue Maschinen und Prozessoptimierung. Ein Beispiel sind Ihre Wärmerückgewinnungssysteme. Wie viel Energie können Sie dadurch einsparen und wie hoch ist der Wasserverbrauch insgesamt?

BEA ECCEL: Durch die Wärmerückgewinnungssysteme können wir unser Waschwasser ohne zusätzlichen Energiebedarf auf 80 Grad Celsius aufheizen. Dadurch reduzieren wir den Verbrauch um ca. 30 Prozent. Wir verwenden dafür hauptsächlich die Abwärme der Bügelmaschinen. Jährlich verbrauchen wir ca. 70.000m³ Wasser, welches durch Pumpen aus unserem Brunnen gepumpt wird. Beim Waschprozess ist es so, dass man mit verschiedenen Variablen spielen kann, d.h. je mehr Wasser ich verwende, desto weniger Chemikalien brauche ich und umgekehrt.

Automation, Künstliche Intelligenz, Mobilität – der Energieverbrauch wird weltweit steigen

Arianna Giudiceandrea, Microtec ist weltweit führend im Bereich Scan- und Optimierungstechnologien für die holzverarbeitende Industrie. Welche Maßnahmen haben Sie in Ihrem Unternehmen ergriffen, um energieunabhängiger zu werden?

ARIANNA GIUDICEANDREA: Bei Microtec gehen wir das Thema Energie auf zwei Ebenen an: innerhalb des Unternehmens und entlang unserer gesamten Wertschöpfungskette.

Intern haben wir frühzeitig in die Eigenversorgung investiert, beispielsweise durch Photovoltaik, um die Produktion unabhängiger zu gestalten. Gleichzeitig arbeiten wir kontinuierlich an der Effizienz und einem intelligenten Verbrauchsmanagement.

Die zweite Ebene ist für uns ebenso zentral: die Auswirkungen, die wir bei unseren Kunden erzielen. Unsere Technologien tragen dazu bei, Holz besser zu nutzen und Verschwendung, Energieverbrauch und Ineffizienzen entlang der gesamten Lieferkette zu reduzieren.

Zusammenfassend bedeutet Energieunabhängigkeit für uns nicht nur, Energie zu erzeugen, sondern sie besser zu nutzen – intern, aber auch in dem Mehrwert, den wir auf den Markt bringen.

Arianna Giudiceandrea, Chief Sales Officer & Member of the Board MICROTEC AG

Sie sind Präsidentin der Sektion Metall im Unternehmerverband Südtirol. Diese Unternehmen haben einen sehr hohen Energiebedarf. Wie stark belasten die Energiekosten aktuell die Mitgliedsunternehmen?

ARIANNA GIUDICEANDREA: Dies hat erhebliche Auswirkungen, denn Energie ist kein Nebenaspekt: Für viele Unternehmen der Metall- und Maschinenbauindustrie ist Energie ein direkter Wettbewerbsfaktor. Und wenn die Energiekosten in Italien strukturell höher sind als in anderen europäischen Ländern, ist das nicht nur ein ökonomisches Problem: Es ist ein Problem des internationalen Wettbewerbs.

Analysen der Confindustria zeigen, dass italienische Unternehmen im Jahr 2025 weiterhin mehr für Strom gezahlt haben als der europäische Durchschnitt: Im ersten Halbjahr 2025 lag der Durchschnittspreis für italienische Unternehmen schätzungsweise etwa 30 Prozent über dem EU-Durchschnitt, wobei die Differenz gegenüber Ländern wie Frankreich und Spanien sogar mehr als 40 Prozent betrug. Auch auf dem Großhandelsmarkt ist die Differenz deutlich.

Für unsere Mitgliedsunternehmen bedeutet dies Margendruck, geringere Möglichkeiten zur Investitionsplanung und in einigen Fällen eine starke Benachteiligung gegenüber ausländischen Wettbewerbern. Es muss auch gesagt werden, dass der Metall- und Maschinenbausektor in Südtirol ein erhebliches Gewicht hat: Die Sektion Metall im Unternehmerverband Südtirol zählt über 80 Unternehmen und mehr als 10.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Es geht jedoch nicht darum, sich zu beklagen. Es geht darum, strukturelle Maßnahmen voranzutreiben: mehr Energieverfügbarkeit zu wettbewerbsfähigen Preisen, mehr Vereinfachungen für die Eigenproduktion, mehr Investitionen in ausgereifte erneuerbare Energien und in die Infrastruktur.

Die Südtiroler Unternehmen müssen nicht erst von der Bedeutung der Energiewende überzeugt werden. Vielmehr müssen die Voraussetzungen für sie geschaffen werden, damit sie sinnvoll, in angemessenen Zeiten und unter klaren Rahmenbedingungen investieren können. Wenn dies geschieht, reagiert die lokale Industrie darauf.

Südtirols Industrie-Unternehmen sind bereits sehr energieeffizient unterwegs

Stichwort Logistik: Ihre LKWs fahren täglich zwischen Brenner und Verona, oft über Passstraßen – mit Euro‑6‑Diesel, weil Elektro hier kaum realistisch ist. Wie energieeffizient kann man hier unterwegs sein?

BEA ECCEL: Aktuell sehe ich bei uns im Betrieb noch keine Möglichkeit in naher Zukunft Elektro-LKWs einzusetzen. Einerseits spielt das Gewicht der Batterien eine große Rolle, da unsere Nutzlast aufgrund der Fahrverbote an Feiertagen sehr begrenzt ist (wir haben hauptsächlich LKWs mit einem Gesamtgewicht von 7,5 Tonnen). Andererseits sind wir aufgrund unserer Routen von starken Temperaturschwankungen betroffen, welche die Autonomie von Elektro-Fahrzeugen stark einschränken würde. Wir können unsere Touren so planen, dass wir die LKWs zu 100 Prozent auslasten und Umwege und nutzlose Fahrten vermeiden.

Sie sind im Präsidium des Unternehmerverbandes für den Bereich Energie zuständig. Wie kann der Verband die Betriebe konkret unterstützen?

THOMAS BRANDSTÄTTER: Durch die Einkaufsgruppe Energie versuchen wir mit einem Vorlauf von mindestens zwei Jahren schon Teile des Einkaufspreises von Strom und Gas abzusichern und dadurch kurzfristige Schwankungen für unsere Mitgliedsbetriebe aufzufangen und es für alle planbarer zu machen.

Moderatorin Verena Pliger im Gespräch mit den Unternehmer:innen

Und auf persönlicher Ebene, was raubt Ihnen im Unternehmensalltag Energie?

ARIANNA GIUDICEANDREA: Alles, was Energie verschwendet, raubt mir Energie: unnötige Komplexität, Unklarheiten, Prozesse, die Zeit kosten, ohne einen Mehrwert zu schaffen. Energie geben mir hingegen kompetente Menschen, Teams, die sich weiterentwickeln, und Projekte, die zu konkreten Ergebnissen führen. Daher ist meine Energiebilanz tatsächlich positiv.