„Ein Prestigeprojekt für uns“
CityWave - Folge 2: Das Brixner Unternehmen Damiani-Holz&KO AG, mit der Marke LignoAlp für den Holzbau auf Maß, realisiert das beeindruckende Schwebedach - genannt Canopy - des neuen Wahrzeichens CityWave in Mailand.
In wenigen Monaten wird das Bürogebäude CityWave im Mailänder Stadtviertel CityLife fertiggestellt sein – ein markantes Bauwerk, das durch seine futuristische, geschwungene Dachkonstruktion besticht. LignoAlp hat das innovative Holzdach realisiert. Ein Gespräch mit CEO Markus Damiani über die Herausforderungen des Projekts und die Rolle des nachhaltigen Bauens.

Das neue Stadtviertel CityLife in Mailand
Können Sie das spektakuläre Holzdach von CityWave genauer beschreiben? Wie ist es aufgebaut?
Markus Damiani: Das Holzdach ist eine äußerst komplexe Konstruktion. Es hat einen X-förmigen Grundriss und verbindet zwei Hochhäuser, die in ihrer Höhe variieren – ähnlich einer Welle oder einer schwebenden Brücke. Die Abdeckung ist 135 Meter lang und 33 Meter breit, mit einer doppelten Krümmung und ohne jegliche Stützen. Die Konstruktion besteht aus fünf Brettsperrholzschichten: einer obersten und einer untersten, die wie die Deckel eines Hamburgers fungieren, sowie drei Innenschichten, in denen Stahlkabel integriert sind. Diese Kabel tragen das gesamte Dach und sorgen dafür, dass es in der Schwebe bleibt. Zusätzlich sind an der Seite elektromagnetische Dämpfer, sogenannte Fins, angebracht, die wie Stoßdämpfer wirken, um die Stabilität bei starkem Wind zu gewährleisten. Auf dem Dach wird eine riesige Photovoltaikanlage installiert.

Markus Damiani
Wie kam es zu dem Auftrag?
Markus Damiani: Wir haben ein Büro in der Nähe von Bergamo und sind seit Jahrzehnten in Mailand und der Lombardei aktiv. Dadurch haben wir enge Beziehungen zu Architekturbüros und Bauunternehmen in der Region. Wahrscheinlich haben wir mehr Vorarbeit in das Projekt investiert als andere. Dadurch konnten wir sowohl das Generalunternehmen als auch den Bauherrn Generali von unserer Expertise überzeugen.
Ist dieses Projekt für Sie ein Prestigeprojekt?
Markus Damiani: Ja, auf jeden Fall. CityWave befindet sich im neuen, trendigen Stadtviertel CityLife in Mailand, wo die ikonischen Türme von Zaha Hadid, Arata Isozaki und Daniel Libeskind stehen. CityWave wird das Pünktchen auf dem i in diesem beeindruckenden Ensemble bilden – entworfen vom dänischen Architekturbüro BIG (Bjarke Ingels Group), das derzeit als eines der führenden Studios in der Architekturbranche gilt. Es ist eine große Ehre für uns, Teil dieses Projekts zu sein und einen Beitrag zu einem Gebäude zu leisten, das das Potenzial hat, zu einem neuen Wahrzeichen Mailands zu werden.

Wie haben Sie die technischen Herausforderungen dieses anspruchsvollen Projekts gemeistert?
Markus Damiani: Die Vorbereitung hat viel Energie und Zeit in Anspruch genommen. Erst nachdem wir mit dem Ingenieurbüro Holzner & Bertagnolli Engineering sowie anderen Studios gemeinsam definiert haben, wie die Konstruktion umgesetzt werden soll, die Proben im Windkanal im Politecnico in Mailand und in Kanada und die statischen Testversuche in Trient durchgeführt wurden, konnten wir mit der Werkplanung beginnen. Das fünfschichtige Dach musste leicht und gleichzeitig anpassungsfähig sein – es ist nur 40 cm dick. Jede einzelne Platte und jede Schraube mussten vorab präzise berechnet und positioniert werden, was wir mit spezieller Software umsetzen konnten. Jede Platte wurde in den erforderlichen Maßen abgebunden und die Position der Schrauben vorgebohrt, um eine perfekte Montage zu ermöglichen. Insgesamt wurden 400.000 Schrauben verwendet. Trotz der Komplexität verlief die Montage reibungslos. Mit nur sieben Monteuren vor Ort konnten wir die Platten an die richtige Position bringen und verschrauben.

Gab es unterschiedliche Ansichten bezüglich der Ästhetik und Machbarkeit des Projekts?
Markus Damiani: Bei unseren individuellen Projekten ist es immer eine Herausforderung, die Vision des Architekten detailgetreu in die Praxis umzusetzen, ohne die Machbarkeit aus den Augen zu verlieren. Wir müssen stets den Balanceakt zwischen ästhetischen Anforderungen und praktischer Realisierbarkeit meistern. Dabei kommt uns zugute, dass wir die gesamte Holzbau-Expertise im Haus haben. Aktuell montieren wir an der Unterseite des Daches eine Verkleidung aus Dreischichtplatten und rechnen damit, das Projekt in den nächsten zwei bis drei Monaten abzuschließen.
Wie sehr spielt nachhaltiges Bauen heutzutage eine Rolle?
Markus Damiani: Nachhaltigkeit ist ein zentrales Thema – gerade im Bauwesen, das für 40 Prozent, also einen erheblichen Teil der CO2-Emissionen, verantwortlich ist. Zwar gibt es weltweit Fortschritte, aber in Italien, insbesondere im Vergleich zu Ländern wie Deutschland, vor allem Bayern, oder Frankreich, sind wir noch nicht ganz so weit. Der Vorteil ist, dass immer mehr Immobilienentwickler und Investoren klare CO2-Grenzen pro Quadratmeter setzen. Jeder Kubikmeter Holz, den wir verwenden, spart eine Tonne CO2. Deshalb macht nachhaltiges Bauen mit Holz absolut Sinn und sollte zunehmend Standard werden.

Wie steht Südtirol beim nachhaltigen Bauen im Vergleich zu anderen Regionen da?
Markus Damiani: Auch in Südtirol gibt es noch Aufholbedarf. Es gibt bereits den Holzbaufonds im öffentlichen Bereich, aber dieser sollte auch auf den privaten Sektor ausgeweitet werden. Ich bin der Meinung, dass es zusätzliche Impulse benötigt, so wie zum Beispiel bei den Elektroautos, um das Bauen mit Holz zum Standard zu machen, auch im Sinne des Klimaplanes des Landes Südtirol. Es ist erfreulich, dass immer mehr Bauherren sich für Holz entscheiden, nicht nur wegen der CO2-Einsparung, sondern wegen der vielen anderen Vorteile wie Wohlbefinden, Dauerhaftigkeit und der hohen Qualität.
Eckdaten Unternehmen:
130 Mitarbeiter
6 Standorte: Brixen, Deutschnofen, Bergamo, Reggio Emilia, Gustalla, Rosenheim